Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich nach einem Jahr wieder arbeiten gehen will?

Vorletzte Woche hatten wir einen Glückwunsch-Besuch von Freunden, denn das Babygucken war 9 Wochen nach der Geburt noch immer nicht abgeschlossen. Und jeder wollte das Würmchen schließlich sehen und bestaunen. Da gab es viel "Ach, wie süß!" oder "Habt ihr gut gemacht!". Dann kamen die Fragen...

Wie groß und schwer war er denn bei der Geburt? Stillst du? Gehst du in Elternzeit? Wie lange bleibst du zuhause? "WAS?????? Nur EIN Jahr?????? Aber der ist doch dann noch so klein, wenn er in die Kita kommt." Entsetzte Blicke trafen mich. Die Frage war wie ein Faustschlag ins Gesicht und ich merkte, wie sich Unbehagen in mir breitmachte und Schuldgefühle in mir hochkamen. Ist es denn so ungewöhnlich, dass eine Frau nach einem Jahr Auszeit wieder arbeiten gehen möchte? Schiebe ich mein Kind ab? Bin ich etwa egoistisch? Stelle ich meine Bedürfnisse über die meines Kindes? Hätte ich besser gar kein Kind bekommen sollen, wenn ich es schon so schnell abgebe?

Plötzlich fühle ich mich dazu genötigt, mich verteidigen zu müssen. Es ist eine wirklich unangenehme Situation und innerlich kippt bei mir etwas die Stimmung. So habe ich mir das Babygucken nicht vorgestellt. Jetzt muss ich mich rechtfertigen! Ich fühle mich wie auf der Anklagebank! "Angeklagte, warum - um Himmels willen - haben Sie nur ein Jahr Elternzeit genommen? Erklären Sie sich!"

Ja, warum eigentlich? Grundsätzlich darf man bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen, aber ich wollte nach einem Jahr wieder arbeiten gehen. Weil wir das Geld brauchen und weil ich nicht nur Mutter und Hausfrau sein kann. Ich arbeite gern. Auch, weil ich andere Menschen um mich habe und weil es gut für mein Selbstwertgefühl ist, wenn ich merke, dass mich nicht nur mein Kind mag, sondern auch andere Menschen meine Anwesenheit schätzen. Außerdem ist es schön, wenn man abends heimkommt, voller Vorfreude auf seine Liebsten, und etwas zu erzählen hat. Was so passiert ist, was man gemacht hat. Das schafft Gesprächsstoff und hält auch die Beziehung lebendig, so meine ich. Ich glaube auch, dass genau diese Abwechslung auch meinem Kind guttun wird, wenn es mit einem Jahr in die Kita kommt. Mein Sohn wird Freunde finden, tolle Dinge über den Tag hinweg mit ihnen erleben und mir abends von all seinen Erlebnissen mit dieser typisch kindlichen Begeisterung berichten. Und ich werde interessiert seinen Erzählungen lauschen. Gut, mit einem Jahr wird sein Vokabular noch recht begrenzt sein, doch das wird ihn bestimmt nicht daran hindern, mir seine Eindrücke mitzuteilen. Zur Not eben spielerisch. Außerdem glaube ich, dass ein früher Einstieg in die Kita für die Entwicklung seines Sozialverhaltens förderlich ist. Als Mutter nimmt man automatisch immer Rücksicht auf sein Kind, in der Kita werden das Gleichaltrige nicht tun und er muss lernen, damit umzugehen. So erfahren schon die Kleinsten, wie sich das anfühlt und lernen gemeinsam, wie man es besser machen kann, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Bliebe ich drei Jahre zuhause, würde ihm der Einstieg eventuell schwerer fallen, weil ich ihn womöglich zu sehr bemuttert hätte. Zumindest bei einem Einzelkind sähe ich da die Gefahr.

 

Wie seht ihr das? Ist ein Jahr Elternzeit zu wenig? Wie habt ihr das gemacht?

 

Eure Jane Weekly


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