Wenn Eltern zu Waisen werden

Heute möchte ich über etwas sprechen, das mich mächtig aufwühlt und mir die Tränen in die Augen treibt, sobald ich daran denke. Eine langjährige, sehr gute Freundin ist vor Kurzem Mutter eines süßen Jungen geworden. Leider kam er sechs Wochen zu früh. Und leider ohne eine echte Überlebenschance. Er starb zwei Tage nach seiner Geburt.

Er war ein absolutes Wunschkind und wurde mit viel Liebe und unendlicher Vorfreude sehnsüchtig erwartet. Als meine Freundin mir von ihrer Schwangerschaft berichtete, habe ich mich unglaublich für sie gefreut, denn ihr Mann und sie mussten lange auf dieses kleine Wunder warten. Da wir nur drei Monate auseinander waren, haben wir uns während unserer Schwangerschaft fleißig ausgetauscht und uns die Zeit mit unseren Jungs schon richtig schön ausgemalt. Wir wollten die Gelegenheit nutzen und uns zukünftig öfter sehen - mit unseren Kindern zusammen. Doch das Schicksal wollte es anders...

 

Ich habe zwar schon viele wichtige Menschen in meinem Leben verloren und bin bereits Vollwaise, aber DIESEN Verlust kann selbst ich nicht vollständig erfassen. Das können nur jene, die selbst ein Kind verloren haben. Eltern zu verlieren, ist schlimm, ABER ein natürlicher Vorgang, wenn auch schmerzhaft. Ein Kind zu verlieren, ist NICHT natürlich. Kinder sollten nicht vor ihren Eltern gehen. NIEMALS! Auf den Verlust der Eltern muss man sich irgendwann einstellen, auf den Verlust seines Kindes kann man sich nicht einstellen. Das ist von der Natur so nicht vorgesehen. Darum glaube ich, dass dieser Schmerz, der schlimmste überhaupt ist. Ein Schmerz, der mit den Jahren an Intensität kaum verliert. Wahrscheinlich, weil man sich immer wieder fragt: Warum gerade mein Kind?

 

Ihr Sohn war nicht überlebensfähig, konnte nicht selbstständig atmen und baute immer weiter ab. Er musste direkt nach seiner Geburt zweimal operiert werden. Das war sein Leben! IST DAS FAIR? Ich weiß, das Leben ist nicht fair. Aber kann es nicht wenigstens ab und an mal fair sein? Warum darf so ein junger Mensch, der noch so voller Lebenshunger steckt, nicht leben, und warum werden andere beinahe 100 Jahre alt? Hatte er es etwa weniger verdient als andere? Was hat sich Gott dabei gedacht? Warum schenkt er ihm erst das Leben, wenn er es ihm im nächsten Augenblick doch wieder nimmt? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Fragen kommen bei mir auf...Ich finde einfach keine Antwort. Und leider auch keine wirklichen Worte des Trostes für meine Freundin. Ich würde ihr so gern den Schmerz nehmen und kann es doch nicht...

 

Habt Ihr auch so einen furchtbaren Verlust erlitten? Was hat euch geholfen, den Tod Eures Kindes zu verarbeiten? Habt ihr Tipps, wie man den Schmerz verwaister Eltern etwas lindern kann?

 

Eure Jane Weekly


Hier finden verwaiste Eltern Anlaufstellen und Unterstützung in dieser schweren Zeit:

 

Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V.
Bogenstraße 26
20144 Hamburg

 

Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.

Roßplatz 8a
04103 Leipzig

 

"Leben ohne Dich"

Prinzeß-Luise-Str. 41

45479 Mülheim

 

Hier gibt es weitere regionale Beratungsangebote -> http://www.patiententelefon.de/trauer-und-bestattung/trauer-und-trauerbegleitung/trauernde-eltern-regional

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